Interview mit Dr. Wolfgang Kneifel zu "Probiotika"
„Probiotika sind mikrobiologisch exakt definierte, lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Zahl und in aktiver Form in den Darm gelangen und von dort ausgehend positive gesundheitliche Wirkungen erzielen.“
Probiotika werden bereits seit längerer Zeit in Lebensmitteln, Futtermitteln und pharmazeutischen Produkten sehr erfolgreich eingesetzt. Wie alle diese Produkte, müssen auch probiotische Lebensmittel besonders hohe Qualitätsanforderungen erfüllen, um auf den Markt kommen zu dürfen und letztlich auch im Körper wirksam zu sein. Ein wichtiges Kriterium ist die Probiotika-Keimzahl sowie die Stabilität der Mikroorganismen in der Magen-Darm-Passage.
Außer durch ihre besondere physiologische Bedeutung und Wirkung unterscheiden sich probiotische Bakterien von den „gewöhnlichen Milchsäurebakterien“ vor allem durch Ihre hohe Resistenz gegenüber Magen- und Gallensäure. Das bedeutet dass sie in hoher Zahl lebend in den Darm gelangen, um dort Ihre spezifischen positiven Effekte zu entfalten.
Zahlreiche Studien dokumentieren inzwischen, dass die probiotischen Eigenschaften eines Lebensmittels von Kultur zu Kultur variieren. Ihre Wirkung ist stammspezifisch, d.h. die nachgewiesenen Eigenschaften und Effekte sind nicht von einem auf den anderen Stamm übertragbar. Aus diesem Grunde muss die Erzielung gesundheitlicher Effekte in klinischen Studien gründlich belegt sein und darf nicht verallgemeinert werden. Ein wissenschaftlich fundierter Nachweis der gesundheitlichen Wirksamkeit kann nur in so genannten randomisierten, plazebokontrollierten Doppelblindstudien erbracht werden. Bei solchen Studien wird die Wirkung des zu testenden Produktes mit der eines Kontrollproduktes verglichen.
Wesentlich ist zudem, dass bei Lebensmitteln auch Studien mit dem verzehrfertigen Produkt, und nicht nur mit dem isolierten Bakterienstamm erbracht werden.
Denn es gilt zu bedenken, dass auch die Produktzusammensetzung einen entscheidenden Einfluss auf die probiotische Wirkung des Lebensmittels ausüben kann.
Link: Universität für Bodenkultur, Wien, Abteilung Lebensmittelqualitätssicherung


